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Beziehung von Werwölfen und Vampiren

 
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Delian
Gast





BeitragVerfasst am: 03.07.2009, 08:16    Titel: Beziehung von Werwölfen und Vampiren Antworten mit Zitat

Inspiriert durch die Twilight Romane habe ich mir Gedanken über die Beziehung von Werwölfen und Vampiren gemacht. Ich bin noch zu keinem Ergebnis gekommen, deswegen fehlt ein wenig der rote Faden. Ich schreibe einfach nur mal einzelne Gedankengänge auf:

In heutigen Medien werden Vampire und Werwölfe gerne als Antagonisten hingstellt, die sich spinnefeind sind. Das erste Mal begegnete mir das in den 80'ern in einer Folge der Real Ghostbusters, wo ein Dorf von Werwölfen von Vampiren überrant worden ist, mit dem Ergebnis, dass sie schließlich gegeneinander kämpften und sich in Mischwesen verwandelten, halb Werwolf, halb Vampir.

In später gelesenen Anne Rice Romanen tauchte wieder dieser Gegensatz auf. Obwohl der Schwerpunkt ganz eindeutig bei den Vampiren liegt in ihren Romanen, tauchen am Rand schon mal Werwölfe auf, die von den Vampiren als unheimliche, wilde Wesen in den Wäldern empfunden werden, die sich aus dem Weg gehen. Während Vampire die Nähe der Menschen in den Städten suchen und dort zu kultivierten Raubtieren werden, suchen Werwölfe die Natur, wo sie ihre animalische Seite völlig ausleben können.

Im Rollenspiel "Vampire - Die Maskerade" sind Vampire und Werwölfe einander auch verfeindet und gehen sich aus dem Weg, mit einer Ausnahme: der Vampirclan der Gangrel ist selbst so animalisch, dass die Werwölfe sie in Frieden lassen.

In späteren Film vanHelsing war der Kampf zwischen Werwolf und Vampir sogar zentrales Thema. Aber bei vanHelsing kam auch zu tragen, dass Werwolf und Vampir einen gemeinsamen Ursprung haben.

Sehr schön lässt sich das in Bram Stokers Dracula sehen (der Roman, aber auch die moderne Verfilmung). Graf Dracula ist dort nicht nur Vampir, sondern auch Gestaltwandler, er kann sich in jedes Wesen der Nacht verwandeln, darunter auch in einen Wolf. Sehr plastisch ist das bei der Freundin von Mina Harker, Lucy, die der Graf in Gestalt eines Wolfes besucht.

Ein anderes Beispiel für den gemeinsamen Ursprung bietet auch das griechische Wort "Wrukolak". Wortwörtlich bezeichnet dieser Begriff eigentlich den Werwolf, aber der Begriff wird heutzutage für Vampir verwendet, wohingegen man für Werwölfe inzwischen Lyanthrop verwendet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wrukolakas

Aber sind es wirklich grundverschiedene Wesen? Oder ist es vielleicht ein und dasselbe Wesen, dass erst durch die Geschichten und Mythologien in verschiedene Wesen verzerrt wurde? steckt dahinter vielleicht ein Wesen, aus dem der Mensch mit seiner Fantasie und seinen Hinzudichtungen verschiedene Wesen macht?

Werwölfe und Vampire haben viele Gemeinsamkeiten:

- beide ernähren sich von Menschen (Vampire vom Blut, Werwölfe unter anderem auch von Menschenfleisch)

- beide "vermehren" sich, indem sie andere Menschen zu ihresgleichen machen, bevorzugt durch beißen

- mythologisch kann ein Mensch auch zu einem Vampir/Werwolf werden, wenn er ein sehr gotteslästerliches Leben führt und sich schwer gegen göttliche Gebote versündigt. Oft wird hier Kannibalismus zu Menschenzeiten als Grund genannt, dass sich ein Mensch in Werwolf/Vampir verwandelt.

- beides sind Wesen der Nacht und schüren damit zusätzliche Ängste des Menschen

- gegen beide soll Silber als besonders edles und reines Metall eine gewisse Wirkung haben, wohingegen Blei oder Gold sie unbeeindruckt lässt.

- beide sind von starken Instinkten geleitet, die sich gegen Menschen richten können.

Was sind aber die Unterschiede?
- der Werwolf verwandelt sich in einen Wolf. Aber das ist nicht immer so. Es gibt auch Werbären und allgemeine Gestaltwandler, die sich in alles mögliche verwandeln können. Umgekehrt können zuweilen auch Vampire sich in Tiere verwandeln, populär sind dabei Fledermäuse, aber auch Wölfe (s. Bram Stoker) sind möglich

- ein Hauptunterschied ist wohl der Lebensstatus. Ein Vampir ist ein "wiedergänger", eine Leiche, die aus dem Grab aufsteigt und sich von den Lebenden nährt. Der Werwolf hingegen ist ein lebendes Wesen, das unbehelligt unter Menschen lebt/leben kann. Ein Vampir hat keinen Herzschlag und keine Atmung, ein Werwolf hingegen schon.
Ein Wiedergänger, der aus dem Grab aufsteigt und sich von den Lebenden nährt, das gibt es aber noch in anderer Form, der "amerikanische" Zombie (bitte nicht verwechseln mit dem Zombie aus dem Voodoo, ich rede von einer anderen mythologischen Gestalt!) steigt auch als Untoter aus dem Grab und nährt sich von Menschenfleisch (bevorzugt Gehirne ^^, also sind Politiker sicher *lol*).

- also gibt es vielleicht doch zwei Sorten Menschenfresser, Untote (Vampire, Zombies) und lebende (Wertiere)?

- gehören vielleicht alle drei irgendwie zusammen, als bedrohliche Wesen, die sich von Menschen nähren? Denn auch der amerikanische Zombie vermehrt sich durch das Beißen von Menschen. Gehen vielleicht alle drei auf eine gemeinsame Urangst des Menschen zurück? Eine Angst vor den Toten, vor Kannibalismus oder von Raubtieren?

Aber was ist davon schon real? Einzig der Kannibalismus kommt in der Realität als gesichert vor, Untote in materiell körperlicher Gestalt sind extrem selten (wenn überhaupt) und es gibt kaum Raubtiere, die den Menschen beddrohen und gar keine, die sich auf den Menschen spezialisieren.

Sind Vampire, Zombies und Werwölfe vielleicht nur das Fantasie-Produkt der menschlichen Urangst von Kannibalismus? Sind vielleicht die Horrorfilme a la "the hills have eyes" oder "wrong turn" viel näher an dem Ursprung der Vampire und Werwölfe dran?

- Oder sind sie vielleicht nur das Ergebnis der psychischen Auseinandersetzung mit Menschen, die an Tollwut erkrankten? Menschen mit Tollwut sind wilde Menschen, die andere Menschen anfallen können, durch beißen andere Menschen anstecken und sogar Angst vor Wasser haben ^^

http://de.wikipedia.org/wiki/Tollwut

Soweit mein Gedankenfluss bisher. Ein Ergebnis steht noch aus, ich muss wohl noch mehr lesen. Über eure Gedanken dazu bin ich mal gespannt Cool
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Einarr
Gast





BeitragVerfasst am: 03.07.2009, 09:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hehe, cool.

Ich hatte gestern ne tolle Magisterarbeit gelesen, die hat sich auch mit dem Thema auseinander gesetzt. Auch mit der Tollwut, ect. Ich hab sie mal verlinkt, weil sie echt lesenswert ist.

Hm, wie ich gelernt hab, waren anfänglich Vampire und Werwölfe gar nicht diese gloriosen "Superhelden", sondern total arme, gequälte, bemitleidenswerte Kreaturen. Und die Vampire auch nicht so elegant und ästhetisch wie die aus gewissen Filmen. Im Gegenteil. Hässlich, aufgequollen, verfilzt (so würde ich mir allerdings Vampirfilme gefallen lassen Böse)

Hm, in manchen Filmen werden Werwölfe ja auch als den Vampiren untergeordnet dargestellt.

Ich denke, es kommt auch immer darauf an, von welchem Ausgangspunkt man ausgeht. Wenn man davon ausgeht, dass Werwölfe selbst Untote sind, wie z. B. glaube ich damals in Frankreich, dann merkt man, dass sie viele Gemeinsamkeiten aufweisen: ernähren sich von Menschen oder notfalls Vieh, animalische Wildheit bis hin zur Raserei, beißen, wodurch auch andere geschaffen werden, oft ein hoher Sexualtrieb.

Ich finde die Tollwut-Theorie sehr interessant, da sie ja auch von Wölfen übertragen wird. Je nachdem, wie tief der Biss ist und wo er lokalisiert ist, ist der Bezug vom Überträger zur Krankheit gut feststellbar. Füchse oder Katzen beißen nicht so tief, von daher kann der Ausbruch länger dauern.

Der Erkrankte gibt tierische Laute von sich und zeigt die Zähne, was aber entweder durch Schmerzen oder Spasmen verursacht wird. Wasser kann er wegen der Schluckhemmung nicht trinken. Später werden diese Menschen ruhelos bis hin zu aggressiv und beißen andere, derer sie habhaft werden. Früher war es übrigens legitim, Tollwutkranke zwischen Kissen zu ersticken.

In manchen Werwolfgeschichten, werden die Verdächtigen dabei entdeckt, wie sie an Leichen herumfressen. Später werden sie meist zugeben, dass sie die Menschen getötet haben und dass sie sich verwandeln können. Allerdings handelt es sich dabei meist um sehr arme Leute, bei denen es gut möglich sein kann, dass sie die Leiche nur gefunden haben, aus Hunger davon gegessen und sich - begeistert durch die plötzlich zuteil gewordene Aufmerksamkeit - Geschichten ausgedacht haben. Als später Folterinstrumente mit ins Spiel kamen, wurde das Geständnis ja quasi schon vorgegeben.

Hm, ich bin der Meinung, Werwölfe und Vampire unterscheiden sich schon ziemlich. Ich gehe bei Werwölfen von dem Ursprung in alten Jägerkulturen aus, die sich als Raubtiere kleideten, sei es aus jagdlichen oder religiösen Kulten. Ich denke, später wurde es eine Form von Totemkulten. Die germanische Mythologie beschäftigt sich sehr stark mit Wölfen, was man an heutigen Namen (Wolfgang beispielsweise oder auch einfach Ulf) gut erkennen kann. Die germanische - bzw nordische Mythologie brachte dann auch Menschen auf den Plan, die sich tatsächlich als Wölfe verkleideten. Es heißt: "Aber seine [Odins] eigenen Mannen gingen ohne Brünnen, und sie waren wild wie Hunde oder Wölfe...."
Sie trugen Wolfsfelle, nannten sich Ulfhednar (=Wolfshäuter) und waren eine Unter"art" der Berserker. Odins Attribute sind übrigens auch zwei Wölfe.

Im späteren Mittelalter wurden aus den Wolfsfellen lediglich Gürtel aus Wolfshaut und man brauchte schon eine Art "Salbe" und einen Teufelspakt (Odin?) um sich zu verwandeln. Vllt kamen dann noch die Tollwutgeschichten hinzu. Ja ja, ich bin schon ruhig mit dem Thema Lachen

Hm, zu Vampiren hab ich leider nicht so den Bezug. Gefühlsmäßig würd ich sie da einordnen, dass man grausame Menschen (Vlad Tepes beispielsweise) so bezeichnete, die angeblich manchmal wirklich Menschenblut konsumierten (E. Bathory). Später hat man da wohl alle möglichen ungeklärten Todesfälle abgewälzt. Und auch die Gräber der angeblichen Vampire geöffnet. Ihr wisst schon, sehen frisch aus, Blut kommt aus dem Mund, sie geben Geräusche von sich, Fingernägel wachsen, ect. Die Kenntnisse der Gerichtsmedizin waren damals eher rudimentär und so konnten sie nicht wissen, dass es ganz normale Anzeichen von Zersetzung sind, die aber teilweise von der dortigen Bodenbeschaffenheit verlangsamt wurde. Viele Gräber zeigen dort Anzeichen von Exorzismen (danke nochmal für den Artikel, Delian Smilie).

Ja, auch hier kam sicher die Tollwut noch hinzu, um den Glauben daran zu verfestigen und neues "Futter" zu geben.

Ja, lange Rede, kurzer Sinn: ich denke, ursprünglich hatten sie nicht viel miteinander gemein, erst später wurden sie im Volksglauben quasi "in eine Kiste gesteckt", was in der Fantasie der Leute und später auch der Literatur immer klarere Formen annahm.

Ich glaub an keine Feindschaft. So Lachen

Und ich möchte mal erwähnt haben, dass ich dieses Klischee hasse, wonach Vampire so edel, ästhetisch und übermächtig - neuerdings sogar als *hübsch* dargestellt werden.
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Delian
Gast





BeitragVerfasst am: 03.07.2009, 10:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, dass Vampire als edel, hübsch und verführerisch dargestellt werden, hat vielleicht damit zu tun, dass Aspekte anderer, bedrohlicher Wesen mit hineinspielen. Denn auch der Mythos der "tödlichen Verführerin" oder "des tödlichen Verführers" hat in unserem Kulturraum eine breite Tradition. Angefangen von den griechischen Sirenen über die germanischen Nixen zu den keltischen "leanan side" und auch die alten, antiken Sexualdämonen, die Menschen verführen um sich von ihnen zu ernähren und/oder fortzupflanzen.

Ich denke, dass sich das mit reinmischt. Womit wir wieder bei meiner Ursprungsfrage sind: sind Vampire und Werwölfe verschiedene Wesen, die im Laufe der menschlichen Geschichtenerzählerei immer ähnlicher wurden oder vielleicht dasselbe Wesen, das sich in verschiedenen Kulturräumen unterschiedlich entwickelt hat?

Eine Verbindung von Werwölfen mit dem Berserker, den du ansprichst, Ursus, finde ich auch interessant.

http://de.wikipedia.org/wiki/Berserker

Vielleicht ist es ja von allem etwas ^^ (Standard-Antwort, wenn ein Wissenschaftler sich zwischen mehreren Theorien nicht entscheiden will *lol*)
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