The Parish Foren-Übersicht
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Belenos

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    The Parish Foren-Übersicht -> Göttinnen und Götter
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 13.04.2012, 11:22    Titel: Belenos Antworten mit Zitat

Weil's ja bald wieder so weit ist... Sehr glücklich



Belenos ist ein keltischer Sonnen- und Heilgott (womöglich der keltische Sonnengott schlechthin), dessen häufige Nennung auf Weiheinschriften in ganz Europa und in Schriften zahlreicher (spät)antiker Autoren nahe legt, dass er im ganzen Celticum bekannt war und zu den ältesten, aber auch wichtigsten Gottheiten zählt. Sein Name leitet sich vom keltischen bhel- ab, was "hell", "leuchtend", "strahlend" oder "glänzend" bedeutet; Namensformen wie das mir persönlich sehr sympathische Bélen in einer griechischen Inschrift legen somit die Übersetzung als "Der Hellstrahlende" nahe. Andere Herleitungen beziehen sich auf das indogermanische ghuel-, was "quellen" bedeutet; Belenos wäre damit auch ein Gott der Quellen. Hinweise auf seine Verehrung finden sich besonders im östlichen Alpenraum, also Süddeutschland und Österreich (im bayerisch-österreichischem Noricum scheint er der wichtigste Gott gewesen zu sein), in der Provence und dem Languedoc, in Spanien, sowie in Britannien, wo die Provinz Cornwall von antiken Autoren Belerion, "Strahlendes Land" oder eben "Bels Land" genannt wurde. Ein Schrein für ihn findet sich auch in der Grafschaft Cumbria nahe des Hadrianswalls. Die Interpretatio Romana setzt ihn (natürlich) mit Apollon gleich, in seinen Heiligtümern scheint vornehmlich die Heilung von Augenleiden erbeten worden zu sein (vgl. die Verbindung der Sonne mit der Fähigkeit zu sehen oder dem Auge als Organ, beispielsweise in Ägypten). Als Sonnengott hat Belenos auch Qualitäten als Herr über die Vegetation und weiterführend die Herden, soweit sie sich auf den Lauf der Sonne im Jahr beziehen. Eine ihm in Saint Sabine in Burgund zugeschriebene Pferdefigurine legt den Schluss nahe, dass man ihn anrief, um Gesundheit und Stärke für das Vieh zu erbeten. Man hat ihn auch für Glück, Reichtum und Erfolg angerufen. Sein Hochfest fällt mit Beltain (wörtl. "Bel-Feuer") auf den 1. Mai. Der Bischof von Munster schrieb um 900 n. Chr. in seinem Buch Sanas Cormaic, an diesem Tag wurde mit dem Beginn des Sommers das Vieh auf die frisch ergrünten Weiden gelassen und zu diesem Anlass zwischen zwei Feuern hindurchgeleitet, was Krankheiten und Unglück bannen soll. Noch heute erinnern auch in Deutschland Bräuche wie der des Maibaums, Tanz in den Mai und der Wahl einer Maikönigin an die Bedeutung dieser Zeit für Wachstum und Fruchtbarkeit unter den Strahlen der Sonne, deren Kraft durch das Anzünden großer Feuer bestärkt werden soll. Da man ihm auf dem Kontinent die Göttin Belisama (wörtl. etwa hellstrahlender Sommer, eine Göttin des Sommers und der Kunstfertigkeiten. Ein wunderwunderschöner Name, nicht? Smilie ) als Begleiterin zuordnet, liegt hier vielleicht ein Ursprung des Mythos von der Heiligen Hochzeit an Beltain als Beginn des Sommers. Die walisische Erzählung der Verbindung zwischen dem König Beli Mawr und der irischen Hochgöttin Danu rekurriert ebenfalls darauf, zumal Beli Mawr bei Geoffrey von Monmouth noch Belinus heißt und neben Arianrhod auch Afallach, der womöglich eine Adaption des keltischen Apfel- und Fruchtbarkeitsgottes Abellion darstellt, zu seinen Nachkommen zählt: die Verbindung der Sonne mit der Erde, aus der die Feldfrüchte hervorwachsen, wäre damit in mythische Form gegossen.
Das Symbol Belenos' ist das vierspeichige Sonnenrad, das als ursprüngliche Form des christianisierten keltischen Kreuzes angesehen werden kann. Die ihm zugeordneten Darstellungen zeigen ihn als bärtigen Mann mit großen Augen, dessen Haare wie eine Corona um seinen Kopf stehen, aber mir erscheint er gerade in der Zeit um Beltain herum jung, um seine Gestalt dann im Verlauf des Sommers bis zum Herbst zu wandeln. Ja, die Ikonographie oben scheint ziemlich christlich; ich könnte mir vorstellen, dass Belenos ein guter Anknüpfpunkt für die Christianisierung des Celticums war. Er teilt zwar viele Qualitäten mit Grannos, gerade was die ungemein positive Macht von Sonnenwärme anbelangt, hat aber im Gegensatz zu diesem eher kulturbezogenen Gott eine engere und auf frühere Kulturstufen der Menschen hinweisende Beziehung zur Erde, zu Weidetieren und zum zyklischen Lauf der Sonne durch das Jahr.
__________________________
Quellen:
Deyts, Simone: Images des Dieux de la Gaule. Paris 1992
Duval, Paul-Marie: Les Dieux de la Gaule. Paris 1993
Gschlößl, Roland (Hg.): Im Schmelztiegel der Religionen. Göttertausch bei Kelten, Römern und Germanen. Von Zabern, Mainz, 2006
MacKillop, James: Dictionary of Celtic Mythology. Oxford1998
Maier, Bernhard: Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Kröner, Stuttgart 1994
Birkhan, Helmut: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1997
Nach oben
Amitiel
Gast





BeitragVerfasst am: 13.04.2012, 13:17    Titel: Antworten mit Zitat

Was für eine ausgesprochen schöne Beschreibung von diesem sehr sympathischen Herrn. Smilie Vielen Dank dafür!
Nach oben
Ashmodai
Gast





BeitragVerfasst am: 13.04.2012, 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Was für ein schöner Text zu ihm. (Da muss ich meinen eigenen, uralten auch gar nicht mehr aufstocken. Yippieh! Sehr glücklich)

Und ein herrliches Bild! Klingt total bescheuert vielleicht, aber ich will "Danke" dafür sagen. (Und wenn Du Lust auf einen Tausch von Drucken hast....ich häng ihn mir sofort an die Wand. Winken)

Ich wollte ihn die Tage selber auch nochmal neu malen. Mein letztes und einziges Bild von ihm habe ich 2008 in der Reha mit meinen damaligen Fertigkeiten mit Bleistift zu Papier gebracht:



Ich kann dann auch bloß noch ergänzen, dass man ihm anscheinend auch das Bilsenkraut zuordnet, welches auch Belisa im Althochdeutschen sowie im Französischen hieß. Im Keltischen wohl belinuntja, was auch wieder den Stamm Bel- von "strahlend" beinhaltet. Möglicherweise ist das Kraut ja nach ihm benannt.

In Mithradates, oder allgemeine Sprachkunde von Johann Christoph Adelung, Johann Severin Vater, Friedrich von Adelung und Wilhelm Freiherr von Humboldt aus dem Jahre 1809 heißt es:
Zitat:
Belinuncia, das Bilsenkraut, Hysocamus Linn. nach Autocar. Dioscor. und Apulej. de Herb. Kap. 4. Es war dem Belenus, so wie bey den Griechen dem Apoll heilig, daher es bei ihnen auch Apollinaris hieß. Indessen scheint nur die erste Hälfte keltisch zu seyn. Nach Burchard. Decret. L. 19, Kap. 5 hieß sie in Frankreich noch im 11. Jahrhundert Belisa, Bilse; ihr jetziger Nahme ist Jusquiame. Im Span. heißt sie Veleno, welches ganz das vorige Belenus zu seyn scheint.


Das Bilsenkraut hat heute unter anderem immer noch den Namen Apollonienkraut.
Nach oben
Windkind
Gast





BeitragVerfasst am: 13.04.2012, 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hat er - über indogermanische oder auch noch ältere Wurzeln - nicht was mit Apollon zu tun? Falls das irgendwie erwähnt wurde, bin ich nur grad zu müde zum Lesen. Ich bin kein besonderer Fan von Gleichsetzungen, aber hier springt es mich geradezu an.
Nach oben
Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 13.04.2012, 22:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hu, danke für die Ergänzungen! Geschockt Das mit dem Bilsenkraut wurde auch in meinen Quellen (mit wissenschaftlicher Nüchternheit natürlich Sehr glücklich ) angedeutet, woraufhin ich nochmal in einem Buch daheim etwas genauer nachschlagen wollte, nur um jetzt festzustellen, dass ich dieses Buch nicht mehr besitze. Darin stand, man hätte Bilsenkraut als mit ältestes Narkotikum Europas bei Augenoperationen eingesetzt, was natürlich wieder sehr sinnig wäre, aber jetzt habe ich keine Quelle dazu. Verlegen Wenn man mal hypothetisch davon ausgeht, das Belinuntia ein keltisch-lateinisches Kompositum ist, ergäbe sich eine Bedeutung wie 'Bels Verkünderin', was auch sehr spannend ist. Dass Apollo in seiner Funktion als Orakelherr mit berauschenden Kräutern in Verbindung steht, ist natürlich konsequent; jetzt müsste man sich fragen, ob auch Belenos diese dunkle, rauschhafte Seite hat und wo sie abgeblieben ist.
Auch witzig: die erste Version meines Bildes sah ebenfalls einen bartlosen Jüngling vor, dann schien es mir, als wäre er a) doch auf eine zeitlose Art älter und b) etwas verwildert und mehr im Draußen. Ich danke überdies für das 'Danke'. Smilie
@ Windkind: etymologische Verbindungen, die einen Hinweis auf gemeinsame Wurzeln geben könnten, zwischen Apollon und Belenus sind mir nicht bekannt. Es gibt Legenden, dass Apollon die Wintermonate in Hyperboräa, das ist von Griechenland aus gesehen so ziemlich alles im Norden, verbringt oder sogar ursprünglich von dort gekommen ist, was man zum Anlass genommen hat, ihn z.B. mit Baldur in eine Kiste zu packen. Klar, wenn es um von allen Menschen so einstimmig wahrgenommene Naturphänomene wie die Sonne, Sonnenlicht und Sonnenwärme geht, gleichen sich auch die Zuschreibungen für deren Gottheiten, was es für die Römer auch einfach gemacht hat, Apollon im Norden einzuführen. Für mich persönlich steht allerdings Grannos ihm viel viel näher als Belenos, aber das ist ja Ansichtssache. Smilie
Nach oben
Ashmodai
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 01:36    Titel: Antworten mit Zitat

Zu Apollon/Belenos und dem hyperboräanischen Apollon hätte ich sogar noch was zu ergänzen, dann aber Euch beiden per PN, wenn Ihr wollt. Smilie
Nach oben
Amitiel
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 01:41    Titel: Antworten mit Zitat

Mir auch, wenn Du möchtest. Smilie Es würde mich interessieren.
Nach oben
Feona Malea
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 01:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ich werde von Ash genötigt einen kurzen Einwurf zu schreiben (da Ash schon den Rechner aus hat und einen Geistesblitz hat): Ich zitiere:

Wegen der Augenleiden:
Sowohl Belenos als auch Apollon galten als Götter der Seher und daraus hat sich auch das mit den Augenleiden, Sehen generell, entwickelt.

Zitat Ende.
Nach oben
Windkind
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 09:29    Titel: Antworten mit Zitat

Der hyperboräische Apollon hat mich schon immer sehr interessiert Sehr glücklich

Also ich hab irgendwie das "Gefühl", die beiden gehören schon zusammen, begründen kann ich gar nix.

Eine PN wäre nett Winken
Nach oben
Ashmodai
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 13:51    Titel: Antworten mit Zitat

PN kommt.
Amitiel...das hab ich Dir doch schon erzählt. Kuss
Nach oben
Amitiel
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ach das. Smilie
Nach oben
Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 14.04.2012, 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

Stormeagle hatte ja hier ein Apollon-Portrait verfasst, da könnte man auch noch etwas zum Hyperboräa-Thema schreiben (falls es nicht schon dabei steht. Winken ). Ich finde solche Parallelen, die sogar in den Mythen eingeschrieben sind, immer sehr schön, weil sie wieder zeigen, wie gut sich Pantheons auch ergänzen und so viel weitere Räume eröffnen. Smilie
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    The Parish Foren-Übersicht -> Göttinnen und Götter Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001 bis 2007 phpBB Group
Version 2.0.20
Deutsche Übersetzung von phpBB.de

CURRENT MOON
moon phase info


Impressum
Smilies von