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Artio Andarta

 
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Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 26.02.2012, 14:57    Titel: Artio Andarta Antworten mit Zitat



Artio, vielleicht auch Artiú, ist eine keltische Göttin der Jagd, der Wildnis und Natur, deren Kult insbesondere in der Schweiz, in Süddeutschland und weiten Teilen Frankreichs ausgeübt wurde. Weitere Inschriften finden sich im Eifelgebiet von Rheinland-Pfalz und in Hessen. Ihr Name geht auf das gallische Morphem artos zurück, das "Bär" bedeutet (womöglich besteht ein Zusammenhang mit dem Namen "Arthus"). Eine ihrer weiteren Erscheinungsformen oder Namen ist Andarta, die "Große Bärin", die die gefährlichen Aspekte des Bären zusammenfasst und eine Sieges- und Kriegsgöttin ist, welche ebenfalls in der Schweiz und Südfrankreich, aber auch bis nach Großbritannien bekannt war. Dort gibt es eine weitere Siegesgöttin namens Andraste, die von der Ikhenerkönigin Boudicca im Kampf gegen die Römer angerufen wurde; allerdings wird diskutiert, ob es sich hierbei wirklich um eine weitere Namensvariante der Andarta handelt.
Die bekannteste Darstellung der Artio ist eine kleine römische Bronzeskulptur aus der Nähe von Bern, die die Göttin sitzend, mit den typischen Insignien einer römischen Erd- oder Muttergottheit, weiter Tunika, Diadem im hochgesteckten Haar und Fruchtkorb zeigt, wie sie einen mächtigen Bären vor sich aus ihrem Schoß füttert. Dieses Bildnis verdeutlicht die Funktion der Artio als Herrin der Tiere, die das Wild nährt und Fruchtbarkeit hervorbringt. Für die wilde, mächtige, gefährliche Seite des Bären ist dann wieder Andarta zuständig, die als Arduinna, Namensgeberin des Ardennengebirges, auch bei den Germanen links des Rheins, etwa den Sugambern, verehrt wurde. Man kann sich die Beziehung zwischen Artio und Andarta so ähnlich vorstellen wie die ägyptische Dyade aus Bastet und Sachmet. Womöglich waren beide einmal ein und dieselbe Bärengöttin, die dann im Zuge des patriarchalen griechisch-römischen Einflusses in eine mütterliche Fruchtbarkeits- und eine jungfräuliche Kriegsgöttin aufgeteilt wurde.
Die kultische Verehrung des Bärens als dem mächtigsten Raubtier Europas reicht sehr weit in die Vergangenheit zurück. Zeichen hierfür lassen sich besonders im sprachlichen Gebrauch finden: 'Bär', 'bear' oder 'björn' in germanischen Sprachen sind Epitheta und gehen auf alte Wortwurzeln für 'braun' zurück, Bär bedeutet also einfach 'der Braune'. In vielen Kulturen, die ihren Lebensraum mit Bären teilten, durfte ihr eigentlicher Name nicht ausgesprochen werden, um die gefährlichen Tiere nicht herbeizurufen. Auch im Protokeltischen exisiert solch eine Doppelung: Während art- das Wort für Bär an sich ist, wird das gallische mah- oder matu- sowohl mit 'Bär' als auch mit 'der Gute' oder 'der Wohlgesonnene' übersetzt. Matunnos etwa war ein lingonischer Bärengott, einer der wenigen männlichen. In diesem Zusammenhang ist es außerordentlich interessant, dass die meisten Bärengottheiten Europas weiblich sind und Bären auch in klassischen Mythen häufig mit dem Weiblichen assoziiert werden, etwa bei Artemis, Kallisto und Atalante. In der zweigesichtigen Artio Andarta zeigt sich die ambivalente Natur des Bären in der Wahrnehmung des Menschen: Das mächtige klauenbewehrte Raubtier mit den gewaltigen "Bärenkräften" einerseits und der gutmütige, sich von Früchten, Honig und Samen friedvoll ernährende Waldbewohner andererseits, der sich - ein Inbegriff der Erdmutter - im Winter in eine Höhle zurückzieht und von dort im Frühjahr mit Jungen wieder hervorkommt.
Artio Andarta ist in meiner Wahrnehmung eine tief erdverbundene Göttin der inneren Ruhe und Besonnenheit, des Schutzes, aber auch der verborgenen Stärke und Macht, besonders körperlich. Sie fühlt sich zeiträumlich gesehen alt an, weit über die Bronzezeit hinausgehend; deswegen fallen für mich Totemismus, Ahnenkult und Schamanismus mit in ihre Domäne. Sie ist mütterlich beschützend und ausgesprochen weiblich und sinnlich; im Winter kann man sie sich schwanger vorstellen. Als Tiergöttin ist sie aber auch stark und unabhängig, eine Herrin der Wildnis, der Tiere und körperliche-physischer Vorgänge. Im Kampf, Wettkampf und der eigenen Selbstbehauptung im Leben leitet sie über zu Andarta und gibt solcherart Kraft bei großen Anstrengungen und Herausforderungen. Als Sternbild Großer Bär (der eigentlich eine Bärin ist) tritt sie für mich sichtbar in Erscheinung; dieses Sternbild steigt jetzt wieder am Horizont empor und dominiert im Sommer den gesamten nördlichen Nachthimmel. Für mich ist es in seiner Orientierung, die es gibt (im Sommerhalbjahr schreitet der Große Bär von Ost nach West, anhand seiner Schulterachse findet man stets den Polarstern), ein ungemein tröstlicher Wegweiser beim Blick in den Nachthimmel, ein Versprechen von Schutz, der immer noch zu uns redenden Natur und Stärke, die man dort findet, wo man selbst und andere sie am wenigsten vermuten.
__________________________
Quellen:
Deyts, Simone: Images des Dieux de la Gaule. Paris 1992
Duval, Paul-Marie: Les Dieux de la Gaule. Paris 1993
Gschlößl, Roland (Hg.): Im Schmelztiegel der Religionen. Göttertausch bei Kelten, Römern und Germanen. Von Zabern, Mainz, 2006
MacKillop, James: Dictionary of Celtic Mythology. Oxford1998
Maier, Bernhard: Lexikon der keltischen Religion und Kultur.
http://www.eifel-gps.de/index.php?cont=kul&id=105
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Amitiel
Gast





BeitragVerfasst am: 27.02.2012, 11:43    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist ja sehr spannend; von ihr hatte ich bisher glaube ich noch nie gehört oder gelesen. Gibt es Querverbindungen zur Göttin Athena oder von Matunnos zu Maponos?
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Silas
Gast





BeitragVerfasst am: 27.02.2012, 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für den tollen Bericht,Èo Smilie Von dieser Göttin hatte ich bisher auch noch nie gehört.Aber wenn ich das alles so lese,sagt sie mir schon sehr zu.
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Ashmodai
Gast





BeitragVerfasst am: 27.02.2012, 16:32    Titel: Antworten mit Zitat

Matunnos und Maponos haben eigentlich keine Berührungspunkte. Der Name leitet sich auch nicht von "matu" ab, hat also nichts Bäriges an sich sondern bedeutet soviel wie "göttlicher Sohn".
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Amitiel
Gast





BeitragVerfasst am: 27.02.2012, 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ah, I see.
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