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Grannos

 
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Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 16.02.2011, 13:57    Titel: Grannos Antworten mit Zitat



Grannos oder Grannus, manchmal mit dem Beinamen "Mogounos" (was soviel wie "der Große" oder "der Erhabene" bedeutet), ist ein keltischer Gott der Heilung, der heißen Quellen, und der Sonne. Der jugendliche Gott ist dabei nicht die Sonne selbst, sondern verkörpert vielmehr ihre belebende und heilende Wärme, was sich auch in seinem Namen wiederspiegelt: Mit dem Proto-Keltischen greina und dem modernen Irish Gaelic grian, was beides Sonne heißt, hat Grannos eine gemeinsame Wortwurzel, die soviel wie "erhitzend" oder "erwärmend" bedeutet. Mehr noch als andere Quell- und Wassergötter ist Grannos so vornehmlich ein Gott der natürlichen Thermalquellen. Das Zentrum seiner Verehrung lag in Aachen, dessen heiße Quellen bereits zur Zeit der frühkeltischen Hallstattkultur regelrechte Kur- und Pilgerorte waren. Die Römer nannten den Ort aquae grani, "Die Wasser des Grannus" und bauten hier die ersten luxuriösen Thermen nördlich des Limes. Ein weiteres wichtiges Kultzentrum lag in Faimingen nahe Ulm an der Donau. Der Name Faimingen geht auf das lateinische Phoebiana zurück, was soviel wie "Lichtvoller Ort" bedeutet. Dies und die Tatsache, dass sich hier eine der größten römischen Tempelanlagen nördlich der Alpen befand, zeigen die Bedeutung Grannos' für die galloromanische Kultur in diesem Land. Sein Ruf war so legendär, dass Kaiser Caracalla ihm während seines Germanienfeldzuges zum Dank für Heilung von seinen Leiden eine Straße stiftete und Grannos auch so ziemlich der einzige Keltengott sein dürfte, dessen Name sogar in Skandinavien bekannt gewesen ist. Weitere wichtige Orte der Verehrung finden sich in Augsburg, entlang des Rheins, im Zentrum und Osten Frankreichs, in Großbritannien und nach Osten hin entlang der Donau bis, wieder zusammen mit Sirona, nach Westrumänien.
Die Interpretatio Romana setzt Grannos seit Cäsar mit dem Licht- und Heilgott Apollon gleich, auf bildlichen Darstellungen erscheint er als junger Mann in klassizistischer Nacktheit, manchmal mit einer Torques, dem keltischen Hoheitszeichen, um den Hals, und einer frühen Form der Harfe zu seinen Füßen. Begleitet wird er oft von Sirona oder ihren mediterranen Entsprechungen Hygieia oder Diana, manchmal auch von Nymphen und an einigen Orten zusammen mit keltischen Entsprechungen des Gottes Mars (meistens Teutates oder anderen Kriegsgöttern. Man geht davon aus, dass hier besonders römische Soldaten um Heilung und Stärkung baten). Es wird diskutiert ob Grannos, der mit den Kelten und Römern nach Britannien kam, in Irland eingegangen ist in die Mythenfigur des Céthur Mac Gréine, des "Sohns der Sonne", der als einer der Tuatha Dé Danann letzter Hochkönig von Irland war. Besonders im irischen County Clare gibt es viele Ortschaften, die Grian als Namensbestandteil führen.
Grannos als, mal salopp gesagt, Thermengott strahlt für mich eine ungemein positive Energie aus, belebend und wärmend. Seine heilende Macht erstreckt sich nicht allein auf körperliche Beschwerden, sondern besonders auf die Psyche und damit einhergehende psychosomatische Krankheiten, er lindert Schwermut, Depressionen, vertreibt düstere Gedanken und schenkt eine positive und hoffnungsfrohe Lebenseinstellung (im Prinzip alles, was sich mit einem schönen heißen Bad wieder zurechtbiegen lässt Winken ) Er scheint der Musik und allgemein dem Musischen im kleineren, heiteren und privaten Rahmen sehr zugetan zu sein und verkörpert für mich damit insgesamt die Schönheit des Sommers in all seiner Leichtigkeit, Wärme und Heiterkeit.
_______________________
Quellen:
Caesar, Gaius Julius: De bello gallico - Der Gallische Krieg. Lateinisch/Deutsch. Übersetzt und hg. v. Marieluise Deissmann. Philipp Reclam Jun., Stuttgart, 1999

Gschlößl, Roland (Hg.): Im Schmelztiegel der Religionen. Göttertausch bei Kelten, Römern und Germanen. Von Zabern, Mainz, 2006

Heinzmann, Manfred (Hg.): Auf den Spuren keltischer Götterverehrung. Österr. Akademie der Wissenschaften, Wien, 2007

MacCulloch, John Arnott: The religion of the ancient Celts. Clark, Edinburgh, 1911

Weisgerber, Gerd: Das Pilgerheiligtum des Apollo und der Sirona von Hochscheid im Hunsrück. Verlag Habelt, Bonn, 1975
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Ashmodai
Gast





BeitragVerfasst am: 16.02.2011, 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für den wunderbaren Bericht.
Grannos ist mir sehr sympathisch, bei dem fühl ich mich sehr zuhause. Smilie
Und ein tolles Bild hast Du da wieder geschaffen.
Irgendwie gefällt mir grade, dass der sonnige junge Herr zusammen mit Mars/Ares dargestellt wird.
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Murchadh
Gast





BeitragVerfasst am: 16.02.2011, 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die tollen Beiträge! Smilie
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Victoria
Gast





BeitragVerfasst am: 16.02.2011, 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Diesen Gott kannte ich noch gar nicht! Sehr interessant!

Kann es sein, dass das englische Wort "grain" für Getreide von seinem Namen kommt? Es reift ja auch an der Sonne.
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Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 17.02.2011, 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Danke euch auch hier für die positive Rückmeldung! Smilie
Ja, bei den Grannos/Mars-Altären kann man sich so richtig schön eine Art Kumpelfreundschaft zwischen einem ruppigen Haudrauf und einem fröhlich geschniegelten Schöngeist vorstellen. Lachen

@ Vic, da hab ich lange rumüberlegt, ob ich diesen Auslegungszweig auch noch mit aufnehmen soll, es ist nämlich ebenfalls lange diskutiert worden, ob Grannos angesichts der engen Verwandschaft zum englischen und französischen grain nicht auch ein ausgewiesener Getreide- und Fruchtbarkeitsgott gewesen sein könnte. Die größte Zahl der Forscher kommt aber zu dem vooorsichtigen Schluß, dass das waaahhhrscheinlich nicht der Fall ist, weil erstens die entsprechenden bildlichen Darstellungen fehlen (wenn, dann ist es meistens Sirona oder die begleitende weibliche Gottheit, die Ähren und Früchte in Händen hält) und es zweitens im Keltischen noch einen anderen Wortstamm granno- oder graenno- gibt, der "bärtig" oder "stockhaarig" bedeutet und eher als Ursprungswort für Getreide in Frage kommt (die ersten in Europa kultivierten Getreidearten wie Einkorn und Emmer haben allesamt - und da ist es auch im Deutschen - Grannenhaare). Man muss auch bedenken, dass die Römer Worte bestimmt nicht so akkurat aufgeschrieben haben, wie sie von den Kelten ausgesprochen wurden, wenn's die 24 Buchstaben des lateinischen Alphabeths nicht hergaben, wurden phonetische Feinheiten eben unterschlagen. Wenn man heute das Worterbe in lebenden keltischen Sprachen anschaut, ist es wahrscheinlich, dass Grannos eher wie grihannos oder sonst wie mit einem dehnend-schwebenden Doppelvokal ausgesprochen wurde, was römische Schreiber aber nicht so genau wiedergeben konnten (oder wollten Mit den Augen rollen). Ganz ausschließen kann man solche Verbindungen natürlich nie, und wenn "Grain" doch nicht mit "bärtig" in Verbindung steht, sondern vielleicht ein poetisches "Das Sonnengereifte" meinen soll, wäre das nicht unbedingt abwegig.
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2Wölfe
Gast





BeitragVerfasst am: 17.02.2011, 12:36    Titel: Antworten mit Zitat

Dies klingt nach einem äußerst sympathischen Kerl. Smilie Vielen Dank für die Mühe mit Deinen schönen Berichten.
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Victoria
Gast





BeitragVerfasst am: 17.02.2011, 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für deine weiteren Ausführungen! Immer wieder spannend!
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