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Delians Nachhilfe in christlichen Religionsunterricht

 
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Delian
Gast





BeitragVerfasst am: 01.04.2009, 15:38    Titel: Delians Nachhilfe in christlichen Religionsunterricht Antworten mit Zitat

Aus einem harmlosen Online-Test zum christlichen Wissen

http://www.hexengemeinde.de/viewtopic.php?t=20695

hat sich nun dieses Topic entwickelt. Ich hätte mir niemals im Leben erträumen lassen, dass ich mal aufeinem Hexenforum so was wie "Nachhilfe" im christlichen Religionsunterricht erteile. Aber ich finde es wichtig, dass man gerade als Hexe auch das Christentum gut kennt.

Ich fange mal mit den Auflösungen meiner Testfragen an:

Zitat:
1 Was ist der Sinn des Fegefeuers?


Der Sinn versteckt sich bereits im Namen: "Fege"feuer. Darin enthalten ist das Wort "fegen" für reinigen, sauber machen. Bereits im lateinischen Namen steckte der Reinigungsaspekt: "Purgatorium" kommt vom lateinischen "purgare", das reinigen, leere, auslöschen bedeutet.

Hinter dem Purgatorium versteckt sich die Vorstellung, dass die Menschen viel zu unvollkommen und "klein" sind, um die unmittelbare Nähe Gottes ertragen zu können. Ehe die Menschen zu Gott gelangen können, müssen sie einen Reinigungsprozess durchlaufen, durch den sie in die Lage versetzt werden, in Gottes Gegenwart sein zu können.

Das Fegefeuer ist deshalb ein Bereich des Himmels (!) und eben nicht der Hölle. Es ist ein Zwischenstadium zwischen Tod und ewiger Glückseligkeit, den die frisch verstorbenen, die sich das Himmelsreich verdient haben, durchlaufen müssen und der sie auf den Himmel selbst vorbereitet.

Mir fällt kein besseres Beispiel ein, man vergebe mir den Zynismus:
Man kann es mit einer Drogentherapie vergleichen: während der Aufenthalt auf Erden wie eine lange Drogenabhängigkeit ist, ist das Fegefeuer eine Art Therapie und Reinigung, die langsam auf das Leben ohne Drogen (ohne Erde) vorbereitet, weil ein direkter Aufstieg wie ein kalter Entzug wäre, der einen vernichtet.

Zitat:
2. Was ist der Limbus?


Limbus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich "Rand, Grenze".
Gemeint ist damit ein Bereich des Jenseits, der nicht zm Himmel gehört und nur "am Rande" zur Hölle. Im Limbus befinden sich all die Seelen, die zwar nicht zum christlchen Gott gefunden haben im Leben, sich aber auch nicht sündhaft verhalten haben, dass sie die Hölle verdient hätten. Dazu zählen vor allem ungetaufte Kinder, alle Heiden vor Christi Geburt und all die Menschen, die zu Lebzeiten nie Gottes Botschaft hören.

Obwohl er "am Rande" der Hölle zugehörig ist, ist er ein Ort OHNE Qualen und Bestrafungen, es ist ein alternatives Jenseits.

Die evangelischen Kirchen lehnen die Lehre vom Limbus größtenteils ab.

Zitat:
3. Was ist ein Nimbus?

Der Nimbus kommt vom lateinischen und heißt wörtlich "Wolke". Im christlichen Kontext meint man damit das Strahlen und Leuchten, das von Gesandten Gottes manchmal ausgehen kann und ihre Herkunft bekräftigt. In der Ikonografie werden Heilige und Engel meistens mit Heiligenschein dargestellt, der entweder den ganzen Körper umhüllt oder aber mindestens den Kopf.

Zitat:
4. Wie viele Evangelien gibt es?

Das war eine gemeine Fangfrage von mir , ich gebe es zu. Man achte auf die Wortwahl. Ich frage "nur" nach der Anzahl der Evangelien, NICHT nach der Anzahl der Evangelien in der Bibel oder den kanonischen Evangelien (die zum Kanon der Bibel gehören). Ich frage ganz allgemein nach der Anzahl der Evangelien, ganz gleich nach ihrer Herkunft oder Art.

Und davon gibt es jede Menge. Neben den vier biblischen (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) gibt es weitere Evangelien wie das Thomasevangelium und das Petrusevangelium, sowie Fragmente vom Evangelium des Judas und der Maria Magdalena. Aus den ersten 3 Jahrhunderten nach Christi Geburt wissen wir von mindestens 9 Evangelien, es könnten aber mehr gewesen sein.

Zitat:
5: Wann wurde das erste Mal ein Bibeltext auf deutsch übersetzt?


Viele glauben, Martin Luther sei der erste gewesen, der die Bibel auf deutsch übersetzt hat. Das ist aber falsch, bzw. ungenau. Martin Luther hat die KOMPLETTE Bibel auf deutsch übersetzt mit allen Schriften in der Reihenfolge, wie er sie vorgefunden hat.

Aber danach war nicht gefragt, gefragt war nach einen Bibeltext und diese Übersetzungen fangen sehr viel früher an. Bereits im 9. Jahrhundert, also noch im Anfang des Mittelalters, haben Mönche Bibeltexte auf deutsch übersetzt. Die ältesten davon sind der Heliand und die Evangelienharmonie des Otfrieds von Weißenburg (Evangelienharmonie: alle vier Evangelien werden zu einem einzelnen Evangelium zusammengestellt).

Über das ganze Mittelalter hinweg sind immer wieder Textteile ins deutsche übersetzt worden. Martin Luther war nur der erste, der die komplette Bibel in einem durch übersetzt hat.

Zitat:
6: Welcher Apostel in Jesus nie persönlich begegnet?


Es war Paulus. Nach der Wiederauferstehung Christi hatte er eine Vision von Jesus und schloss sich den Aposteln an, aber zu Lebzeiten Jesu ist er ihm nie begegnet.

Zitat:
7. Wie trafen Jesus und Maria Magdalena aufeinander?


Diese Frage ist sehr, sehr böse denn meistens wird Maria Magdalena mit anderen Frauen verwechselt oder gleichsetzt, die ich mal alle als falsche Antwortmöglichkeiten angegeben habe. Sehr glücklich Gehen wir die mal im einzelnen durch:

Maria aus Magdala ist eine junge Frau gewesen, die von Dämonen besessen war. Jesus exorzierte diese Dämonen aus ihr und seitdem schloss sie sich den Kreis der Jünger an.

In der kirchlichen Tradition wird Maria Magdalena oft mit der "Sünderin" oder "Prostituierten" gleich gesetzt, die Jesu Füße gewaschen hat. (Lukas 7, 36 ff). Diese Sünderin in der Geschichte, der Jesus ihre Sünden vergibt, wird namentlich nicht genannt! Sie bleibt in der Bibel anonym, erst durch Kirchenauslegung wurde sie mit Maria Magdalena gleichgesetzt, der Bibeltext selber belegt das nicht.

Eine weitere Frau, mit der Maria Magdalena gerne verwechselt wird ist die Schwester des Lazarus, den Jesus von den Toten erweckte. Da die Geschichte um Lazarus aber in der Stadt Bethanien spielte, wird diese Maria die Maria aus Bethanien genannt und ist nicht Maria aus Magdala.

Eine andere Frau, die mit Maria Magdalena verwechselt wird ist die Ehebrecherin (Johannes 8 ). Aus der Geschichte um die Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll, entstammt der Ausspruch "wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein".
Aber auch diese Frau ist im Bibeltext anonym, erst die christliche Tradition hat hier manchmal Maria Magdalena gesehen.

Zitat:
8: In welchem Verhältnis standen Jesus und Johannes der Täufer?


Das genau Verhältnis ist nicht klar. In Lukas 1,36 wird von Maria und Elisabeth (Johannes Mutter) als "Verwandte" gesprochen, aber wie nah oder entfernt sie verwandt waren, ist nicht klar. Sie könnten Schwestern gewesen sein, Cousinen oder vielleicht auch verschwägert (über Zacharias, Elisabeths Mann, der vielleicht Marias Bruder war).
Das genaue Verhältnis kennen wir nicht, aber es scheint eine familiäre Verbindung gegeben zu haben.

Zitat:
9: Wie viele Bücher hat die kanonische Bibel, die bei den meisten Christen üblich ist?


Altes und Neues Testament in der Forn, wie sie die katholische und die evangelische Kirche besitzen haben insgesamt 66 schriften.

Zitat:
Wie viele Engel werden in der kanonischen Bibel der Westkirchen namentlich in der Bibel erwähnt?


Da das Buch Henoch nicht zum kanon der biblischen Schriften gehört, sondern eine apokryphe Schrift ist, zählen die vielen dort genannten Engel nicht mit. In der Bibel der großen Kirchen werden nur drei Engel namentlich erwähnt: Michael, Gabriel, Raphael.

Alle weiteren Engel entstammen der jüdischen und/oder christlichen Tradition, weiteren Schriften und Brauchtümern. Allen voran Uriel/Ariel. Oft ist auch unklar, ob es sich bei zwei Namen um zwei Engel handelt oder um denselben. Aber das ist ein anderes Problem.

Zitat:
11: Jesus ist der Forschung nach wahrscheinlich nicht in Bethlehem geboren, trotzdem haben es Matthäus und Lukas in ihre Evangelien geschrieben. Was könnte ihre Intention gewesen sein?


Der Bibeltext sagt es schon recht deutlich selbst:

Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, (Lukas 2,4)

David ist der berühmteste und erste König der Juden. Da nach jüdischer Tradition der Messiach nicht nur Sohn und Bote Gottes ist, der das göttliche Heil bringen soll, sondern auch König über das neue Jerusalem Gottes sein soll, war es wichtig, dass der Messias aus dem Hause Davids stammt und damit vom adeligen GEblüt war, so dass seine Autorität als König der Juden gewiss ist.

Allerdings ist es genau diese politische Komponente, die Jesus Todesurteil besiegelt, denn zum Tode durch die Römer wurde er als politischer Aufrührer verurteilt, weil seine Anhänger in ihm den neuen Gottkönig sahen. Eine religiöse Minderheit wäre den Römern egal gewesen, aber als Besatzungsmacht über Israel wollten sie eine politische Gruppe von "Revoluzzern", die den eingesetzen König Herodes stürzen wollen, nicht dulden und richteten ihn auf.

Daher auch die Inschrift über Jesus Kreuz: INRI bedeutet

IESUS (Jesus)
NAZARENI (aus Nazareth)
REX (König)
IUDORUM (der Juden)

Zitat:
12: Woran erinnern die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern?


Wie viele heilige Männer begab sich Jesus auf religiöse Suche in die Wüste und fastete dort eine Weile. Buddha hatte es vor ihm gemacht, Mohammed hat es ihm nachgemacht. Diese Tradition, sich zurückzuziehen von der Welt um so Gott zu finden ist sehr alt und weit verbreitet.

Die Fastenzeit ermahnt uns daran, das weltliche loszulassen und uns mit Gott auseinanderzusetzen. Es ist die Aufforderung, nicht zu sehr an den materiellen Besitztümern anzuhaften (die Versuchung des Satans), sondern zu wahrer, innerer Größe zu finden.

Mehr dazu im Lukasevangelium, Kapitel 4.
Zitat:

13: Warum wird Ostern immer unmittelbar nach einem Vollmond gefeiert?


An Jesu Kreuzigung hatte sich der Himmel verfinstert (Lukas 23, 44). Interpretiert wird das so, dass es eine Sonnenfinsternis gegeben habe. Da Sonnenfinsternisse nur an Neumond möglich sind, hat man das Osterfest auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühjahrstagundnachtgleiche gelegt, um nie wieder eine Sonnenfinsternis an einem Osterfest zu erleben.

Zitat:
14: Welches dieser Verbote stammt NICHT von Jesus?


Einer meiner persönlichen Favoriten!

Verbot der Todesstrafe: hatten wir oben schon bei der Ehebrecherin (Joh. 8,7), man kann es ergänzen um das Gebot der Feindesliebe (Mt 5,44)

Verbot der Scheidung
Ich zitiere:

Zitat:
Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe; und wer die von dem Manne Geschiedene freit, der bricht auch die Ehe.
(Lukas 16,18 )

Verbot von Zinsen: Zinsverbote gibt es schon im Alten Testament, sie gelten allerdings nur gegenüber Glaubensgenossen (der Jude darf von Christen Zinsen nehmen). Jesus aber sagt:
Zitat:

Und wenn ihr leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen, was für Dank habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß sie Gleiches wiedernehmen.
Wenn dein Bruder verarmt und neben dir abnimmt, so sollst du ihn aufnehmen als einen Fremdling oder Gast, daß er lebe neben dir, Vielmehr liebet eure Feinde; tut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen.

(Lukas 6,34)

Und was bleibt?

Verbot der Homosexualität:
Jesus selbst hat sich NIE über Homosexuelle geäußert und keiner seiner Jünger. Alle Verbote von Homosexualität entstammen dem Alten Testament, bzw. den Paulusbriefen und Paulus ist Jesus zu dessen Lebzeiten nie begegnet. Ich finde es sehr bezeichnend, dass nur diejenigen Homosexualität anprangern, die Jesus persönlich nicht gekannt haben Sehr glücklich

Zitat:
15. Was bedeutet das Wort "Apokalypse"?


Apokalypse kommt aus dem Griechischen. "Kalypsei" bedeutet "verbergen, verstecken, verhüllen", die vorsilbe "apo" bedeutet "auf-". Zusammen ergibt das in etwas "auf-decken" oder "ent-hüllen".

Heute wird es meistens übersetzt mit "Offen-barung"


So, das war die kleine Religionsstunde für heute Winken
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the_fallen_one
Gast





BeitragVerfasst am: 01.04.2009, 15:47    Titel: Antworten mit Zitat

da kommt mir ne menge bekannt vor.... ich hätte wirklich besser im konfirmations untericht aufpassen sollen Auf den Arm nehmen
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Ashmodai
Gast





BeitragVerfasst am: 01.04.2009, 17:10    Titel: Antworten mit Zitat

Na, da hätte ich ja meine falschen Antworten schnell entlarvt. Smilie
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Éori
Gast





BeitragVerfasst am: 01.04.2009, 17:26    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwie ist damit der hübsche Test ja ad absurdum geführt. Schade eigentlich. Smilie
Das mit den 66 Büchern hab ich tatsächlich gewusst. *ganz stolz is* Aber nur dank des berühmten Merkgedichts von Göz über die Bücherfolge in der Lutherbibel. Das hab ich fürs Abitur tatsächlich auswendig gelernt Verlegen Da wir hier sowieso eine kleine Enzyclopädia christiania aufmachen können, würde ich es gerne mit einbringen. Damit man immer schlauer sein kann als der Christ. Sehr glücklich.

Merkvers zur Reihenfolge der Schriften in der Lutherbibel
In des Alten Bundes Schriften
merke in der ersten Stell:
Mose, Josua und Richter,
Ruth und zwei von Samuel.
Zwei der Könige, Chronik, Esra,
Nehemia, Esther mit.
Hiob, Psalter, dann die Sprüche,
Prediger und Hoheslied.

Jesaja, Jeremia,
Hesekiel, Daniel.
Dann Hosea, Joel, Amos,
Obadja, Jonas Fehl,
Micha, welchem Nahum folget,
Habakuk, Zephania,
nebst Haggai, Sacharja
und zuletzt Malachia.

In dem Neuen stehn Matthäus,
Markus, Lukas und Johann,
samt den Taten der Apostel
unter allen vornean.

Dann die Römer, zwei Korinther,
Galater und Epheser,
die Philipper und Kolosser,
beide Thessalonicher.
An Timotheus und Titus,
an Philemon, Petrus zwei,
drei Johannes, die Hebräer,
Jakobs, Judas Brief dabei.

Endlich schließt die Offenbarung
das gesamte Bibelbuch.
Mensch, gebrauche, was du liesest,
dir zum Segen, nicht zum Fluch.
....................................M. Georg Ernst Göz, Pfarrer an der Leonhardskirche Stuttgart um 1800


Man beachte bitte die letzten beiden Verse, die ich glatt als Signatur verwenden würde, so sinnvoll sind sie.

lg

Ben
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Delian
Gast





BeitragVerfasst am: 04.04.2009, 12:18    Titel: Antworten mit Zitat

Da in der Umfrage die Bitte nach der nächsten Lektion kam, bitte schön Sehr glücklich

heute: Der Unterschied Pfarrer - Pastor - Priester

Fangen wir mit dem einfachen an: Pfarrer und Pastor sind dasselbe. Während Pfarrer der altdeutsche Ausdruck für den Gemeindeleiter einer christlichen Gemeinde ist, ist Pastor der lateinische Ausdruck (Lat, Pastor = Hirte).
Es gibt auch regionale Unterschiede. Während in Norddeutschland Pastor üblicher ist, ist die Bezeichnung Pfarrer in Süddeutschland gebräuchlicher.

Wesentlich komplexer ist der Begriff "Priester". Das Wort kommt aus dem griechischen "presbyterios", was "Ältester" bedeutet. Die "Dorfältesten" waren meisten die Menschen, denen man aufgrund ihrer Erfahrung eine besondere Rolle in der Gemeinschaft zusprach als Lehrer und religiöser Leiter.
Im Ursprung also war der Begriff des Priesters nicht so verschieden von dem eines Pfarres oder Pastors.

Theologisch ist der Begriff des "Priesters" heute aber anders definiert. Unter "Priester" wird in der Theologie heute eine Person verstanden, die als Mittler zwischen Menschen und Gott, zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt fungiert.
Das kann verbunden sein mit einer Rolle als FührerIn einer Gemeinde, es kann auch unabhängig davon sein.

Der Unterschied zwischen Pator/Pfarrer und Priester ist für den Unterschied von evangelischen und katholischen Glauben fundamental, deswegen überhaupt dieses Post hier!

Katholische Auffassung

Nach katholischer Auffassung ist nur derjenige ein Priester, der eine besondere Priesterweihe durch einen anderen Priester empfangen hat. Alle Priesterweihen bilden eine Stammbaum (Initiationslinie), die letzendlich auf die Weihe des Apostels Petrus zurück geht, die er vom auferstandenen Jesus nach der Apostelgeschichte erhalten haben soll.

(Na, wer hats erfunden? Woher hat Gardner das geklaut? Sehr glücklich )

Wer keine Priesterweihe erhalten hat, hat zunächst mal keinen Zugang zu Gott und Bedarf ständig der Kirche als Mittlerin.

Einzig und alleine Gott selbst kann einzelne Menschen "auserwählen" und direkten Kontakt zu ihnen suchen, ohne dass sie eine Priesterweihe erhalten haben. Solche Menschen haben dann mystische Erfahrungen und gehören in die Sondererscheinung der Mystiker.

Bereits im Mittelalter gab es Strömungen, die einen anderen Priesterbegriff hatten. Schon damals konnten/wollten Menschen nicht glauben, dass Menschen sich durch eine weihe besonderen Zugang zu Gott besorgen konnten, bzw. eine fehlende Weihe sie von Gott fernhält und von einer Kirche abhängig macht. Es gab deshalb schon damals Abspaltungen von Menschengruppen, die glaubten, dass JEDER Mensch von Natur aus einen persönlichen Zugang zu Gott hat, also von Geburt an Priester ist.

Die Katharer gehören zu dieser Glaubensgruppe und sie sind deswegen verfolgt und ausgerottet worden.

Erfolgreicher war dagegen Martin Luther und die anderen Protestanten. Auch sie vertraten die Auffassung, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und alle Menschen den gleichen Zugang zu Gott haben. Jeder Mensch ist Priester von Geburt an. Gott lässt sich durch menschliche Zeichen (Weihe) nicht einschränken oder aufzwingen. Es ist einzig die göttliche Gnade, die entscheidet, zu wem Gott spricht und zu wem nicht.

Aus diesem Grund hat Martin Luther die Bibel übersetzt. Seiner Auffassung nach brauchen die Menschen keine Kirche als Mittlerin zwischen ihnen und Gott, sie selbst können zu Gott finden. Sie brauchen nur das richtige Werkzeug, ihren Geist zu schulen und dieses Werkzeug ist die Bibel.

Zusammenfassung:
In der katholischen Gemeinde ist der Pastor immer auch Priester. Er hat eine Priesterweihe erhalten, die ihn einen besonderen Zugang zu Gott ermöglicht und ihn zu einem Mittler zwischen Gott und den Menschen macht.

In der evangelischen Gemeinde ist jeder Mensch sein eigener Priester. Der Pfarrer einer evangelischen Gemeinde hat nur eine besondere Ausbildung genossen und erfüllt gewisse Funktionen in der Organisation und Leitung eines Gottesdienstes. Darüberhinaus steht er mit den Gemeindemitgliedern auf derselben Stufe.
(deswegen besitzen einzelne Religionsrichtungen keine ausgebildeten Pfarrer, sondern eine Laienpredigt, die durch Gemeindemitglieder durchgeführt wird).
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